Die Szene.
Salomo ist tot. Sein Sohn Rehabeam soll König werden. Das Volk kommt mit einer Bitte: Dein Vater hat uns schwer belastet. Mach das Joch leichter, dann dienen wir dir.
Rehabeam fragt zuerst die Alten — die Berater, die schon seinem Vater gedient haben. Ihr Rat: Sei diesen Menschen ein Diener, rede freundlich, dann dienen sie dir für immer.
Er winkt ab und fragt seine Altersgenossen, mit denen er groß geworden ist. Ihr Rat: Zeig Härte. Sag ihnen, dein kleiner Finger sei dicker als deines Vaters Hüfte.
Rehabeam wählt die Härte. Zehn der zwölf Stämme sagen sich los. Das Königreich zerbricht — und kommt nie wieder zusammen.
Das Prinzip.
Es sieht aus wie eine Frage des Alters. Weise Alte gegen junge Hitzköpfe. Das ist es nicht.
Rehabeam hat nicht die falschen Berater gewählt. Er hat den bequemen Rat gewählt.
Die Alten forderten ihn: Diene, dadurch führst du. Die Jungen bestätigten ihn: Du bist der Stärkere, zeig es.
Er hörte nicht auf den besseren Rat. Er hörte auf den angenehmeren.
Im Berufsalltag.
Jede Führungskraft baut sich mit der Zeit einen Kreis. Die Frage ist nicht, wie groß oder erfahren er ist — sondern ob darin noch jemand widerspricht.
Wenn alle nicken, hörst du nur noch dein eigenes Echo.
Es war oft der Anfang vom Ende, wenn mir niemand mehr widersprochen hat. Der unbequeme Rat kommt selten von denen, die so ticken wie du.
Es geht nicht darum, immer auf die Erfahrenen zu hören. Es geht darum, den Rat zu suchen, der dich fordert — nicht den, der dich streichelt.
Widerspruch ist kein Angriff. Er ist die beste Information, die du umsonst bekommst.
Das gilt übrigens auch im Kundendienst: Beschwerden sind kostenlose Beratungsleistungen.
Die Frage.
Wann bist Du zuletzt einem Rat gefolgt, der Dir nicht gefallen hat?
Die Szene steht im Alten Testament: 1. Könige 12, 1–19 (Lutherbibel).
Wenn Du darüber sprechen willst, wer in Deinem Kreis eigentlich noch widerspricht: Das erste Gespräch ist kostenlos.