Die Szene.
David ist auf dem Höhepunkt seiner Macht. König, Feldherr, Sieger. Eines Tages will er es genau wissen: Wie groß ist mein Heer?
Er befiehlt eine Zählung. Joab, sein Feldhauptmann und erfahrenster Mann, rät ab. „Warum willst du das?" David überhört ihn.
Monatelang ziehen die Zähler durchs Land. Das Ergebnis: 1,3 Millionen wehrfähige Männer. Eine beeindruckende Zahl.
Sie nützt ihm nichts. Was als Beweis seiner Stärke gedacht war, wird zur Katastrophe. David begreift zu spät: Nicht sein Heer war zu klein. Sein Vertrauen lag an der falschen Stelle.
Das Prinzip.
David wollte seine Stärke in einer Zahl sehen. Joab ahnte, was David übersah: Diese Zahl beantwortet nicht die Frage, auf die es ankommt.
Kennzahlen sind großartige Hilfsmittel. Sie machen sichtbar, sie ordnen, sie warnen früh. Nur sind sie nie das Ziel — sie zeigen bloß darauf.
Zählen ist nicht dasselbe wie verstehen.
Eine große Zahl fühlt sich an wie Kontrolle. Wie Sicherheit. Dabei sagt sie oft nur: Es ist viel. Nicht: Es ist gut. Nicht: Es trägt.
Im Berufsalltag.
Davids Volkszählung heißt heute Dashboard. Umsatz, Klicks, Auslastung, Follower. Alles gezählt, alles grün.
Die Zahlen wachsen — und keiner fragt, ob es die richtigen sind. Eine Kennzahl, die zum Ziel wird, hört auf, ein guter Maßstab zu sein. Wer Tickets zählt, bekommt mehr geschlossene Tickets. Nicht weniger Probleme.
Verlass Dich nie auf eine einzige Zahl. David hatte eine gewaltige — und keine Ahnung, was sie ihn kosten würde. Eine Zahl allein lügt selten. Sie verschweigt nur fast alles.
Das Problem ist nicht das Messen. Es ist der Glaube, die Zahl sei schon die Wahrheit.
Die Frage.
Welche Zahl verfolgst Du gerade so genau — dass Du aufgehört hast zu fragen, ob es überhaupt die richtige ist?
Die Szene steht im Alten Testament: 2. Samuel 24, 1–10 (Lutherbibel).
Wenn Du darüber sprechen willst, welche Zahlen bei Dir gerade die Entscheidungen lenken: Das erste Gespräch ist kostenlos.