Zweiter Weltkrieg, US Air Force. Rückkehrende Bomber wurden systematisch auf Einschusslöcher untersucht. Das Ergebnis: Die Treffer häuften sich an Rumpf und Flügeln. Die naheliegende Empfehlung: Genau dort mehr Panzerung anbringen.
Der Statistiker Abraham Wald widersprach. Seine Begründung veränderte, wie wir bis heute über Daten nachdenken.
Es steckt in der Stichprobe.
Wald fragte: Wo sind die Flugzeuge, die nicht zurückgekommen sind?
Die Bomber, die man untersuchen konnte, hatten die Treffer überlebt. Genau deshalb waren die getroffenen Stellen die falschen für zusätzliche Panzerung. Die wirklich gefährlichen Treffer – Motor, Cockpit – hatte man nie gesehen. Die Maschinen, die dort getroffen wurden, waren abgestürzt.
Panzern Sie die Stellen, die bei den Überlebenden unversehrt geblieben sind. Nicht die, wo die Löcher sind.
Warum das mehr ist als eine Kriegsgeschichte.
Survivorship Bias – der Fehlschluss aus überlebenden Fällen – taucht überall auf, wo wir aus Erfolgsgeschichten lernen wollen.
Bill Gates, Mark Zuckerberg, Steve Jobs – alle haben ihr Studium abgebrochen und wurden Milliardäre. Daraus wird gern die Lehre gezogen, ein Studienabbruch fördere unternehmerischen Erfolg. Übersehen wird die riesige Zahl an Abbrechern, die nie etwas Vergleichbares erreicht haben – die schaffen es nur nicht in die Erfolgsstory.
„Früher hat man einfach stabiler gebaut, sehen Sie sich die alten Häuser an." Stimmt so nicht: Die schlecht gebauten alten Häuser sind längst eingestürzt und abgerissen. Wir sehen nur die Überlebenden – nicht den Durchschnitt.
Eine Personalabteilung fragt erfolgreiche Mitarbeitende, was sie im Bewerbungsgespräch überzeugt hat. Die Abgelehnten, bei denen dasselbe Auftreten nicht überzeugt hat, werden nie gefragt.
Woran Sie es erkennen.
Die Warnfrage ist immer dieselbe: Wer fehlt in dieser Auswertung, weil er es nicht bis hierher geschafft hat?
Sobald eine Auswahl nur aus denen besteht, die einen Filter überstanden haben – überlebt, bestanden, erfolgreich geblieben – verzerrt sich das Bild. Nicht durch falsche Zahlen, sondern durch fehlende.
Was das für Ihre Entscheidungen bedeutet.
Vorsicht bei jedem Erfolgsrezept, das nur von den Erfolgreichen erzählt wird. Fragen Sie nach den Vergleichbaren, die es genauso versucht und nicht geschafft haben. Oft verschwindet der vermeintliche Zusammenhang, sobald man sie mitzählt.
Das gilt für Geschäftsmodelle, für Personalentscheidungen, für Investments – überall, wo „das hat bei X funktioniert" als Argument auftaucht, lohnt die Gegenfrage: Bei wie vielen hat es nicht funktioniert, und hören wir von denen überhaupt?
Die interessanteste Frage an jede Erfolgsgeschichte ist nicht, was sie richtig gemacht haben. Sondern wer sonst noch dasselbe versucht hat.
Im nächsten Teil geht es darum, wie man unter echter Unsicherheit klar denkt – wenn selbst eine saubere Statistik keine sichere Antwort mehr liefert.
Und wenn Sie eine Entscheidung auf Basis einer Erfolgsgeschichte prüfen wollen: Das erste Gespräch ist kostenlos.