Die Szene.
Jona soll nach Ninive gehen und der Stadt eine unbequeme Botschaft überbringen. Keine leichte Aufgabe, aber ein klarer Auftrag.
Jona entscheidet sich dagegen. Nicht offen, sondern mit den Füßen. Er geht zum Hafen, findet ein Schiff in die entgegengesetzte Richtung, bezahlt die Überfahrt und legt sich unter Deck schlafen. Problem umgangen. Scheinbar.
Auf See kommt ein gewaltiger Sturm. Das Schiff droht zu bersten, die Mannschaft wirft die Ladung über Bord, jeder kämpft ums Überleben. Am Ende wird Jona selbst über Bord geworfen — und verbringt drei Tage im Bauch eines großen Fisches.
Erst danach macht er das, was am Anfang dran war: Er geht nach Ninive. Der Auftrag ist derselbe geblieben. Nur der Preis ist ein völlig anderer.
Das Prinzip.
Jona wollte sich eine unangenehme Aufgabe ersparen. Bekommen hat er den Sturm, die Panik, den Fisch — und die Aufgabe blieb trotzdem.
Vermeidung fühlt sich im Moment wie Entlastung an. Das ist die Täuschung. Das Problem verschwindet nicht, wenn man ihm den Rücken kehrt. Es wächst im Verborgenen und schickt die Rechnung später — mit Zinsen.
Die Aufgabe wäre am ersten Tag am billigsten gewesen. Jeder Tag Flucht macht sie teurer.
Was du vermeidest, verschwindet nicht. Es wartet — und wird teurer.
Im Berufsalltag.
Das schwierige Gespräch mit dem Mitarbeiter, das Du seit Monaten aufschiebst. Der Kunde, dem Du die schlechte Nachricht noch nicht überbracht hast. Die Zahl, die Du Dir nicht genau anschaust, weil Du ahnst, was sie bedeutet.
Nichts davon wird durch Warten kleiner. Das Gespräch wird härter, der Kunde wütender, die Zahl schlimmer. Der Sturm kommt trotzdem — nur trifft er Dich dann auf offener See statt im Hafen.
Ich habe das oft erlebt, und ich kenne es von mir selbst: Wir verwechseln „nicht ansehen" mit „nicht da". Die unangenehmste Aufgabe der Woche ist aber fast immer die, die am wenigsten warten darf.
Die Aufgabe, vor der Du Dich drückst, ist meist die, die am dringendsten dran ist.
Die Frage.
Welche Aufgabe schiebst Du gerade vor Dir her — und was kostet Dich jeder Tag, den Du sie noch aufschiebst?
Die Szene steht im Alten Testament: Jona 1, 1–17.
Wenn Du gerade eine Aufgabe vor Dir herschiebst, von der Du weißt, dass sie nicht kleiner wird: Das erste Gespräch ist kostenlos.