Die Szene.
Die ganze Welt hat eine Sprache und dieselben Worte. Die Menschen ziehen zusammen, finden eine Ebene und fassen einen Plan: eine Stadt und einen Turm, dessen Spitze bis an den Himmel reicht. Sie brennen Ziegel, sie haben Erdpech als Mörtel, sie legen los.
Es läuft. Der Turm wächst. Nichts Technisches steht dem Vorhaben im Weg — die Erzählung sagt ausdrücklich: Nun wird ihnen nichts mehr unmöglich sein, was sie sich vornehmen.
Dann wird ihre Sprache verwirrt. Von einem Moment auf den anderen versteht keiner mehr den anderen. Der Maurer versteht den Plan nicht, der Träger den Maurer nicht. Die Anweisung kommt an, aber sie bedeutet für jeden etwas anderes.
Der Bau steht still. Nicht weil das Material fehlt. Weil die gemeinsame Sprache fehlt. Die Menschen zerstreuen sich, der Turm bleibt Ruine.
Das Prinzip.
Das Scheitern von Babel ist kein Materialproblem und kein Kompetenzproblem. Es ist ein Verständigungsproblem.
Solange alle dieselbe Sprache sprachen, war jedes Ziel erreichbar. In dem Moment, in dem die Sprache zerfiel, half die beste Technik nichts mehr.
Das ist die unbequeme Wahrheit hinter vielen gescheiterten Großvorhaben: Nicht das Können ist die Grenze, sondern die Verständigung darüber, was gebaut werden soll.
Ein Projekt scheitert selten daran, dass es niemand kann. Es scheitert daran, dass alle etwas anderes meinen.
Im Berufsalltag.
Ein Vorhaben startet mit Schwung. Alle sind dafür. „Wir digitalisieren den Vertrieb." Alle nicken. Jeder hört etwas anderes.
Die IT meint eine neue Software. Der Vertrieb meint weniger Bürokratie. Die Geschäftsführung meint höhere Zahlen. Das gleiche Wort, drei Türme, die in verschiedene Richtungen wachsen.
Eine Weile fällt das nicht auf. Jeder baut an seinem Teil, alle sind beschäftigt, es sieht nach Fortschritt aus. Dann treffen die Teile aufeinander und passen nicht zusammen. Jetzt beginnt das Schuldzuweisen — in Wahrheit hat nie jemand dieselbe Sprache gesprochen.
Ich frage in Projekten inzwischen früh und penetrant: Was genau heißt „fertig"? Was genau heißt „Erfolg"? Wenn drei Leute drei Antworten geben, ist das nicht Erbsenzählerei. Das ist Babel, bevor der Turm einstürzt.
Bevor du fragst, ob ihr es könnt, kläre, ob ihr dasselbe meint.
Die Frage.
Wo nicken in deinem Team gerade alle beim selben Wort — und meint jeder etwas anderes?
Die Szene steht im Alten Testament: 1. Mose 11, 1–9.
Wenn bei Dir gerade ein Vorhaben läuft, bei dem alle nicken, aber keiner dasselbe meint: Das erste Gespräch ist kostenlos.